
Eine seltene Konstruktion: die Halle, die sich öffnet
Verfahrbare Hallen sind selten – verfahrbare Hallen dieser Größe noch seltener. Das Ingenieurbüro Günter Schömig plante die Konstruktion 1989 für das Open-Air-Sportzentrum im hessischen Gladenbach: vier Tennisplätze unter einem Dach, das sich bei gutem Wetter öffnen ließ. 2018 wurde das Tragwerk fachgerecht demontiert; seitdem lagert es in Bayern.
Für eine Wiederverwendung sprechen vor allem zwei Dinge: die große stützenfreie Fläche und die ungewöhnlich gute Dokumentation. Von der geprüften Stahlbaustatik bis zur Fundamentberechnung liegen die historischen Unterlagen vor.


So funktioniert das Verfahrsystem
Die Halle besteht aus vier Segmenten. Die Segmente 1 und 4 an den Giebelseiten stehen fest. Die Segmente 2 und 3 in der Mitte laufen auf Schienen; im geöffneten Zustand schieben sie sich über die festen Endsegmente. Bewegt werden also vollständige, tragende Hallenabschnitte – nicht nur ein Schiebedach.
Jedes Segment ist als Stahltragwerk aus weitgespannten Zweigelenkrahmen aufgebaut. Pfetten tragen die zweischalige Trapezblechdeckung, Dach- und Wandverbände steifen die Konstruktion aus. Laufschienen und Fahrwerke sind in der Statik als eigene Positionen nachgewiesen.
Die historische Planung sieht eine Fahrgeschwindigkeit von 12 m/min vor. Verfahren werden durfte nur bis zu einem Windstaudruck von q = 0,25 kN/m²; bei Schnee auf dem Dach blieben die verfahrbaren Segmente im Winter geschlossen. Diese Werte beschreiben die damalige Bemessung – sie sind keine Freigabe für einen heutigen Betrieb.



Warum die Segmente unterschiedlich hoch sind
Damit die mittleren Segmente über die Endsegmente fahren können, sind sie höher konstruiert. Die Höhen nach der historischen Planung:
| Höhen ab historischem FFB ±0,00 m | Feste Endsegmente 1 + 4 | Verfahrbare Segmente 2 + 3 |
|---|---|---|
| Traufe, OK Stahlprofil | 3,272 m | 4,060 m |
| Traufe, OK Dach | 3,380 m | 4,170 m |
| First, OK Stahlprofil | 9,545 m | 10,654 m |
| First, OK Dach | 9,650 m | 10,760 m |
| Lichte Höhe unter dem Rahmeneck | ca. 3,00 m | gesondert zu ermitteln |
Die lichte Firsthöhe in der historischen Symmetrieachse D ist mit +9,070 m bis UK Stahlprofil angegeben; ihre genaue Zuordnung ist anhand des betreffenden Schnitts zu prüfen.


Geprüfte historische Statik – ein seltener Vorteil
Historische Stahlbaustatik mit bauaufsichtlichem Prüfbericht und Prüfvermerken vorhanden.
Prüfbericht Nr. 1 vom 12.06.1989, Prüfingenieur Dipl.-Ing. Kurt Wameling, Prüfverzeichnis 36.89.4. Bei Beachtung der Prüfeintragungen äußerte der Prüfingenieur aus statischer Sicht keine Bedenken gegen die Erteilung der damaligen Baugenehmigung.
Die Stahlbauberechnung des Ingenieurbüros Günter Schömig (Objekt 89040) umfasst 291 Seiten, die Fundamentberechnung (Objekt 89040.1) weitere 33 Seiten. Nachgewiesen sind unter anderem die festen und verfahrbaren Rahmen, Pfetten, Dachverbände, Längswände und Laufschienen. Laut Berechnungsdeckblatt wurden die Baustähle St 37 und St 52 nach DIN 17100 verwendet, die im Wesentlichen den heutigen Sorten S235 und S355 entsprechen, dazu Schrauben nach DIN 6914, 7968 und 7990 in den Festigkeitsklassen 4.6 und 10.9.
Zur Einordnung: Die Unterlagen sind kein Standsicherheitsnachweis für einen neuen Standort, und die Materialgüte der eingelagerten Bauteile ist nicht unabhängig bestätigt. Sie geben dem Tragwerksplaner aber Systemmaße, Profile und Lastannahmen an die Hand – das spart Aufmaß, Zeit und Kosten. Die Fundamente werden am neuen Standort ohnehin neu geplant und bemessen.
Technische Eckdaten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Objekt-ID | TRS2554RSH (Langform TRS-2554-RSH-W39L66-01 · ehem. Ref. hbs2560s4F) |
| Bauart | Verfahrbare Stahlhalle: 4 Segmente, davon 2 auf Schienen verfahrbar; Zweigelenkrahmen, symmetrisches Satteldach ca. 18,75° |
| Breite | ca. 39,09 m, stützenfrei |
| Länge | ca. 65,50 m |
| Grundfläche | ca. 2.560 m² |
| Traufe / First (OK Dach) | feste Segmente 3,38 / 9,65 m · verfahrbare Segmente 4,17 / 10,76 m |
| Lichte Höhe | ca. 3,00 m unter dem Rahmeneck (feste Segmente), ca. 9,07 m unter dem First (Achse D) |
| Verfahrsystem (historisch) | Laufschienen und Fahrwerke, Fahrgeschwindigkeit 12 m/min |
| Historische Lastannahmen | Schnee 0,75 kN/m²; Wind je Betriebszustand (Verfahren bis q = 0,25 kN/m²) |
| Werkstoffe laut Statik | St 37 / St 52 nach DIN 17100; Schrauben 4.6 und 10.9 |
| Statik / Prüfung | Stahlbau-Objekt 89040 (291 S.), Fundament-Objekt 89040.1 (33 S.); Prüfbericht Nr. 1 vom 12.06.1989 |
| Ursprünglicher Standort | Gladenbach, Hessen; Planung und Prüfung 1989 |
| Zustand / Lagerort | 2018 demontiert, eingelagert in Bayern (genaue Lage nach Vereinbarung) |
Neue Nutzung: vom Tennis zu Indoor-Soccer, Multisport, Event und Gewerbe
Ursprünglich für vier Tennisplätze geplant, bietet die stützenfreie Fläche Raum für viele Nutzungen. Denkbar sind nach technischer Prüfung unter anderem:
- Indoor-Soccer & Fußball: mehrere Kleinfelder mit Kunstrasen, Banden und Ballfangnetzen
- Multisport & Padel: Kombination verschiedener Hallensportarten mit Aufenthaltsbereichen
- Events & Ausstellungen: große stützenfreie Fläche für Veranstaltungen und Präsentationen (nach Genehmigung)
- Lager & Gewerbe: dauerhafter Aufbau mit neuer Hülle und Toren – auf Wunsch als feste Halle ohne Verfahrfunktion, abzustimmen mit dem Tragwerksplaner
Bereits erprobt: Am ursprünglichen Standort wurde die geöffnete Halle für Großveranstaltungen genutzt – etwa für ein Public Viewing zur Fußball-Weltmeisterschaft mit mehreren hundert Zuschauern, über das die Oberhessische Presse berichtete. Auch für Fußball war die Fläche bereits eingerichtet, wie Tore und Kunstrasenfeld auf den Fotos zeigen.


Lichte Höhe richtig einordnen
Die lichte Höhe von ca. 3,00 m gilt nur unter dem Rahmeneck der festen Segmente, also direkt an den Längswänden. Zur Hallenmitte steigt die Höhe mit der Dachneigung von ca. 18,75° stetig an – überschlägig um rund 1 m je 3 m Wandabstand – bis auf etwa 9 m unter dem First. Spielfelder gehören deshalb in die Hallenmitte; die Randbereiche eignen sich für Banden, Sicherheitsabstände, Umgänge, Bänke und Zuschauer. Maßgeblich sind die Schnitte der historischen Planung.
Für jede neue Nutzung sind ein passendes Layout, Brandschutz und Rettungswege sowie die Schnee- und Windlasten des neuen Standorts zu planen. Alle Nutzungsvorschläge sind Planungsideen, keine Zusicherung von Eignung oder Genehmigungsfähigkeit.
Lieferumfang und Wiederaufbau
Angeboten wird das demontierte Stahltragwerk. Ob weitere Teile – etwa Elemente der historischen Dach- und Wandbekleidung, Schienen, Fahrwerke, Antrieb und Steuerung – vollständig und wiederverwendbar vorhanden sind, klären Materialinventur und Besichtigung. Kalkulieren Sie für den Wiederaufbau mit einer neuen Gebäudehülle.
Die Halle wurde 1989 für eine Schneelast von 0,75 kN/m² bemessen, überschlägig vergleichbar mit einer charakteristischen Schneelast sk ≈ 0,94 kN/m² nach heutigem Eurocode. Für den neuen Standort sind ein aktueller Standsicherheitsnachweis mit den örtlichen Schnee- und Windlasten, neue Fundamente und eine Baugenehmigung erforderlich. Die Planung des Wiederaufbaus übernehmen Architekt, Tragwerksplaner bzw. Hallenbauer des Käufers; Kontakte zu erfahrenen Montagebetrieben aus unserem Netzwerk stellen wir gern her.

THAL REUSE SYSTEMS: Ankauf, Verkauf und Netzwerk
Seit über 20 Jahren kauft und verkauft Johann Thal hochwertige Hallenkonstruktionen. Diese Halle kennen wir seit ihrem ersten Wiederverkauf: Unter der Referenz hbs2560s4F haben wir sie an den heutigen Eigentümer verkauft. Wir werten Bauakte und Statik aus, beantworten technische Fragen und bringen Tragwerk und neuen Standort zusammen.
Häufige Fragen
Ist die Halle verfügbar? Ja. Das Tragwerk ist seit 2018 demontiert und in Bayern eingelagert. Die genaue Lage nennen wir qualifizierten Interessenten; eine Besichtigung ist nach Vereinbarung möglich.
Welche Unterlagen gibt es? Die geprüfte Stahlbaustatik von 1989 (Objekt 89040, 291 Seiten) mit Prüfbericht Nr. 1, die Fundamentberechnung (Objekt 89040.1), Konstruktionszeichnungen und Fotos. Qualifizierte Interessenten erhalten Auszüge als PDF.
Brauche ich für den Wiederaufbau eine neue Statik? Ja. Für den neuen Standort sind ein aktueller Standsicherheitsnachweis nach Eurocode und neue Fundamente erforderlich. Die historische Statik liefert dem Tragwerksplaner Profile, Systemmaße und Lastannahmen.
Lässt sich die Halle wieder verfahrbar aufbauen? Das Verfahrsystem ist in Statik und Plänen dokumentiert. Ob Schienen, Fahrwerke und Antrieb vollständig und wiederverwendbar sind, zeigen Materialinventur und Besichtigung. Alternativ lässt sich das Tragwerk nach Prüfung durch den Tragwerksplaner als feste Halle aufbauen.
Eignet sich die Halle für Fußball? Die stützenfreie Fläche von rund 39 × 65,5 m bietet Platz für mehrere Kleinfelder. Die lichte Höhe steigt von ca. 3,00 m an der Längswand auf etwa 9 m unter dem First; Spielfelder gehören daher in die Hallenmitte, Randzonen für Banden, Umgänge und Zuschauer. Das Layout ist im Einzelfall zu planen.
Kauft THAL REUSE SYSTEMS auch Hallen an? Ja. Wir kaufen Hallen zur Demontage sowie demontierte Tragwerke an und übernehmen auf Wunsch den Wiederverkauf über unser Netzwerk.
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Sie planen ein Soccer- oder Multisportzentrum, eine Eventhalle oder eine Gewerbehalle mit großer stützenfreier Fläche? Nennen Sie uns Nutzung, Standort und Anforderungen – wir senden Ihnen Auszüge aus Statik und Plänen und vereinbaren auf Wunsch eine Besichtigung.
Johann Thal · Founder THAL REUSE SYSTEMS
Telefon +49 30 80584249 · sales@thalreuse.systems · thalreuse.systems
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Angebot freibleibend; Vertragspartner und Konditionen werden im individuellen Angebot benannt. Alle Angaben beruhen auf den historischen Bauunterlagen und sind vor Kaufabschluss durch Besichtigung und Aufmaß zu prüfen.
Fotos: © Johann Thal | THAL REUSE SYSTEMS – alle Rechte vorbehalten. Schemazeichnungen: © THAL REUSE SYSTEMS.